Andere Antidepressiva

Andere Antidepressiva haben einen Wirkmechanismus der sich von den Klassikern unterscheidet und oft ein günstigeres Nebenwirkungsprofil zur Folge hat. Anstatt nur die Wiederaufnahme von Neurotransmitter in die Zellen zu hemmen nehmen sie Einfluss auf komplexe Feedbackmechanismen.

Medikamente:
  • Mirtazapin
  • Mianserin
  • Trazodon
  • Buspropion (NDRI)
  • Vortioxetin

Mirtazapin (Medikamente: Remeron, Avanza, Axit, Mirtazon, Zispin)

Mirtazapin ist ein Antidepressivum das zusätzlich eine ausgeprägte sedierende Wirkkomponente hat. Mirtazapin erhöht die Konzentration von Noradrenalin und Serotonin im synaptischen Spalt allerdings über eine agonistische Wirkung an präsynaptischen adrenergen Alpha-2 Rezeptoren sowie serotonergen 5HT2A Rezeptoren. Außerdem wirkt es als Antagonist am histaminergen - H1 Rezeptor was zu Schläfrigkeit und Sedation führt.

Mirtazapin ist ausschlich zur Behandlung von Depressionen zugelassen. Insbesondere beim vorliegen von Schlafstörung oder der Vermeidung von sexueller Dysfunktion stellt Mirtazapin eine gute Option dar.

Zu den Nebenwirkungen gehörene erhöhte Schläfrigkeit und Trägheit, Appetitsteigerung und Gewichtszunahme, Ödeme und das RestLess-Legs-Syndrom(bis zu 25% aller Patienten!).

Mianserin (Medikamente: Depnon, Lantanon, Lerivon , Lumin , Norval , Tolvon, Tolmin)

Chemisch und pharmakologisch sehr ähnlich dem Mirtazapin. (siehe oben)
Es soll weniger appetitanregend und gewichtssteigernd wirken, allerdings sind regelmäßige Blutbildkontrollen erforderlich da eine seltene aber gefährliche Nebenwirkung die Agranulocytose (Untergang einer bestimmten Art von weißen Blutkörperchen) ist.

Trazodon  (Medikamente: Thromban, Trittico)

Trazodon wirkt antidepressiv, anxiolytisch und schlafinduzierend.
Pharmakologisch wirkt Trazodon vorwiegen als 5-HT2A Antagonist, SERT Antagonist und 5HT1a partieller-Agonist. Weiters findet eine Antagonisierung des H1 Rezeptors statt.

Das Wirkungs- und Nebenwirkungsprofil unterscheidet sich wesentlich von SSRIs, Trizyklischen Antidepresssivas und anderen Substanzen. So wird es nicht in Verbindung mit erhöhtem Appetit oder sexueller Dysfunktion gebracht sondern steht sogar im Verdacht die Libido und Potenz zu steigern. Als seltene aber gefährliche Nebenwirkung kann Priapismus auftreten ansonsten ist das Nebenwirkungsprofil sehr gut. Trazodon hat auch keine Anticholinerge Aktivität kann aber als Nebenwirkung Arrythmien haben.

Trazodon wird neben den Indikationen Depressionen und Angsterkrankung häufig Off-Label als Schlafmittel verschrieben. Insgesamt gilt Trazodon als eher harmloses Medikament mit welchem Ärzte wenig falsch machen können, die antidepressive Wirkung ist aber limitiert.

Bupropion (Medikamente: Wellbutrin, Zyban, Elontril)

Bupropion ist ein Arzneistoff der als Antidepressivum und zur Raucherentwöhnung verschrieben wird und einen grundlegend anderen Wirkmechanismus hat. Neben der antidepressiven Wirkung verfügt es auch über eine leicht stimulierende Wirkung. Oft wird es auch als Add-On zusätzlich zu einem SSRI verschrieben.

Der Wirkmechanismus von Bupropion ist noch nicht gänzlich aufgeklärt, gesichert ist dass es als selektiver Dopamin und Noradrenalin Wiederaufnahmehemmer wirkt. (Abekürzt NDRI)

Das Nebenwirkungsprofil von Bupropion unterscheidet sich von anderen Antidepressiva:
Hauptvorteil sind das fehlen sexueller Dysfunktion und Gewichtszunahme.
Negativ ist das auftreten von Krämpfen, Mundtrockenheit und Schlaflosigkeit(Einnahme sollte nicht abends erfolgen). Weiters können auftreten: Angst, Kopfschmerzen, Benommenheit, Zittern, Angst und Verwirrtheit.

Vortioxetin (Medikament: Brintellix)

Seit Dezember 2013 ist der Wirkstoff Vortioxetin zur Behandlung von Depressionen zugelassen, kam aber erst im Mai 2015 unter dem Markennamen Brintellix auf den Markt. Vortioxetin hat einen neuen multimodalen Wirkmechanismus:

  • Hemmung der Serotonin Wiederaufnahme
  • Antagonistisch (5HT3,5HT7,5HT1D), partiell agonistische(5HT1B) und agonistische(5HT1A) Aktivität an den verschiedenen Serotonin Rezeptoren.
Insgesamt kommt es zu erhöhten Spiegeln von Serotonin, Noradrenalin, Dopamin, Acetylcholin und Glutamat sowie einer Reduktion von GABA in verschiedenen Hirnarealen. Dies soll auch eine Verbesserung der kognitiven Leistungsfähigkeit von Patienten zur Folge haben

Vom Nebenwirkungsprofil gilt der neue Wirkstoff als relativ Günstig, lediglich Übelkeit kommen bei über 10 Prozent der Patienten vor. Bei 5, 10 und 15 mg gab es keine sexuelle Funktionsstörungen, bei 20mg hingegen schon.