Mittwoch, 4. Mai 2016

Depression - wortwörtlich eine graue Welt

Man liest sehr oft von der Farbe Grau im Zusammenhang mit Depressionen. Dabei ist dies wohl meist im übertragenen Sinne gemeint, die Farbe Grau gilt als trist und trostlos. Wissenschaftler konnten aber beweisen dass Depressive die Welt tatsächlich "grauer" wahrnehmen als gesunde Menschen. Forscher konnten zeigen dass Depressive Kontraste wesentlich schlechter wahrnehmen.  Weiters gelang es sogar ziemlich gut Depressive und gesunden Menschen nur anhand eines Sehtests voneinander unterscheiden. Interessanterweise war auch bei medikamentös behandelten Patienten die Kontrastwahrnehmung stark verschlechtert.

Mit einer Art Retina-EKG konnten die Forscher das Retina-Potenzial der Probanden messen. Wenn die Probanden auf ein Schachbrett sahen, war 2μV ein relativ zuverlässiger Schwellenwert der Depressive von nicht Depressiven unterscheidet.

"So lagen die gemessenen Potenziale bei 37 der 40 Gesunden über diesem Wert, nur bei drei lagen sie darunter. Die Spezifität betrug damit 93 Prozent. Von den 40 Depressiven zeigten 31 Patienten Amplituden unter dem Schwellenwert, neun lagen darüber. Die Sensitivität lag damit bei knapp 78 Prozent."

Die Forscher führten weiter aus dass sich auch der Therapie erfolg mittels Retina-Ekg ermittel lässt. Je stärker eine Depression ausgeprägt umso schlechter die Kontrastwahrnehmung und umgekeht.

Quelle
aerztezeitung.de

Dienstag, 3. Mai 2016

Was wurde eigentlich aus XBD-173?

XBD-173 (heute Emapunil) ist der Name einer Substanz die zwischen 2004-2010 für viele Publikationen sorgte und sehr großes Potenzial zur Behandlung von Angststörungen versprach.

Der Wirkmechanismus läuft auf eine verstärkte Aktivität des GABA-A Rezeptors hinaus, unterscheidet sich aber von dem der Benzodiazepine. Das target von XBD-173 ist das Protein TSPO, welches an der äußeren Mitochondrienmembran vorliegt. Dies verstärkt die Bildung von Neurosteroiden welche wiederum die Aktivität des GABA-A Rezeptors verstärken.

Ersten Studien zufolge soll XBD-173 eine Wirkung ähnlich der von potenten anxiolytischen Benzodiazepinen haben (zum Beispiel Alprazolam) aber dabei keinerlei Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Sucht und Toleranz verursachen. Das Interesse an einer solchen Substanz wäre rießig, Benzodiazepine gelten aufgrund der Sucht und Toleranzproblematik nur mehr als Übergangslösungen. Doch was wurde aus der Substanz, seit 2010 hört man nur mehr vereinzelt Gerüchte.

Die Substanz wurde am Max-Planck-Institute entwickelt. Dann übernahm Novartis die Entwicklung, sowie ein japanischer Kooperationspartner (Dainippon Sumitomo Pharma). 2006 wurden gleich drei Phase 2 Studien ohne Fortsetzung beendet [1]. Die Gründe dafür sind anscheinend nicht öffentlich. 2009 wiederum erschien in Science eine Publikation welche die Erwartungen erneut hochschraubte [2]. Der korrespondierende Autor der Studie, Rupprecht Rainer, sowie Novartis bestätigen allerdings auf Anfrage dass XBD-173 derzeit nicht weiter untersucht wird. Über die Gründe kann bislang nur spekuliert werden.

Quellen
[1] http://adisinsight.springer.com/drugs/800013611
[2] http://science.sciencemag.org/content/325/5939/490